Technik-Wissen aus unserem Studio

Cut Pile oder Loop Pile – welche Tufting-Technik passt zu dir?

Beim Tuften entscheidet nicht nur das Garn, sondern auch die Technik: Werden die Schlaufen aufgeschnitten oder bleiben sie geschlossen? Wir zeigen an zwei eigenen Probestücken, wie unterschiedlich Cut Pile und Loop Pile aussehen – und warum du im Workshop mit Cut Pile startest.

Was ist der Unterschied zwischen Cut Pile und Loop Pile?

Die Tufting-Pistole schießt das Garn durch den aufgespannten Stoff und bildet auf der Vorderseite kleine Schlaufen. Was danach mit diesen Schlaufen passiert, macht den ganzen Unterschied:

Cut Pile

Eine kleine Schere in der Pistole schneidet jede Schlaufe direkt auf. Es entstehen offene Faserenden, die zusammen einen weichen, plüschigen Flor bilden. Nahezu jedes Tufting-Motiv, das du im Internet siehst, ist Cut Pile.

Loop Pile

Die Schlaufe bleibt geschlossen. Der Faden wird nicht abgeschnitten, sondern wieder zurückgeführt - auf der Oberfläche entstehen lauter kleiner Schlingen.

Cut Pile: aufgeschnitten
Loop Pile: geschlossen
Schematischer Querschnitt: dieselbe Schlaufe – links aufgeschnitten, rechts geschlossen.

Unser Vergleich: Avocado gegen Orange

Wir haben zwei kleine Motive getuftet: die Avocado in Cut Pile, die Orangenscheibe in Loop Pile. Beide liegen noch ohne Finishing auf dem Tuftingstoff.

Zwei kleine getuftete Probestücke auf einem Holztisch: links eine Avocado mit Gesicht in Cut Pile mit weicher, plüschiger Oberfläche, rechts eine gelb-weiße Orangenscheibe in Loop Pile mit sichtbaren Schlingen.

Links, Avocado in Cut Pile: weich und plüschig, die Konturen von Augen und Mund bleiben schmal.

Rechts, Orange in Loop Pile: sichtbare Schlingen, eine feste, strukturierte Oberfläche.

Bei Loop Pile werden Linien dicker

Weil die Schlaufe bei Loop Pile wieder zurückgeführt wird, werden Linien automatisch dicker. Am deutlichsten siehst du das an den weißen Trennlinien der Orange – sie sind viel breiter als die schwarzen Konturen der Avocado-Augen. Für feine Details, Gesichter oder Schrift ist Cut Pile deshalb klar im Vorteil.

Nahaufnahme Cut Pile: Augen und Mund der Avocado mit schmalen schwarzen Konturen und rosa Wangen auf hellgrünem, plüschigem Flor.
Cut Pile: schmale Konturen
Nahaufnahme Loop Pile: breite weiße Trennlinien zwischen gelben Segmenten der Orangenscheibe, deutlich sichtbare Schlingen.
Loop Pile: breite Linien
Cut Pile und Loop Pile im Überblick
Kriterium Cut Pile Loop Pile
Oberfläche Weich, plüschig, samtig. Feste Schlingen, strukturiert.
Linien & Details Fein, saubere Konturen. Dicker, Details werden gröber.
Pistole absetzen Jederzeit – der Faden wird abgeschnitten. Möglichst nie – der Faden läuft durch.
Schwierigkeit Anfängerfreundlich. Braucht Übung und Planung.
Finishing Oberfläche glätten und Kanten ausarbeiten möglich. Keine Nachbearbeitung möglich.
Wirkung Flauschige Motivteppiche. Grafische, texturierte Teppiche.

Warum Loop Pile nichts für Anfänger ist

Bei Cut Pile wird der Faden direkt abgeschnitten. Du kannst die Pistole jederzeit absetzen, neu ansetzen und die Richtung wechseln – genau richtig, um in Ruhe dein Motiv zu füllen.

Bei Loop Pile wird das Garn nicht abgeschnitten. Deshalb darfst du die Pistole so wenig wie möglich absetzen:

  • Jedes Absetzen hinterlässt einen Faden: Das Garn hängt weiter an der Pistole und muss von Hand abgeschnitten werden. Die frisch abgeschnittenen Fadenenden ragen dann oben aus dem Motiv heraus.
  • Schlingen lösen sich leicht: Zieht der durchlaufende Faden, rutschen bereits getuftete Schlingen wieder aus dem Stoff.
  • Jede Fläche muss geplant werden: Damit du möglichst in einem Zug tuftest, musst du die Reihenfolge vorher genau überlegen.
  • Keine Nachbearbeitung: Die Oberfläche lässt sich nicht glätten und Kanten lassen sich nicht ausarbeiten – was getuftet ist, bleibt so. Was beim Finishing mit Cut Pile möglich ist, fällt weg.

Deshalb tuftest du in unserem Workshop mit Cut Pile.

Wann lohnt sich Loop Pile?

Mit etwas Erfahrung lassen sich mit Loop Pile tolle Effekte erzielen:

  • Strukturierte Optik: Die Schlingen geben dem Teppich eine grafische, handgemachte Oberfläche.
  • Formstabil: Geschlossene Schlaufen behalten ihre Form.
  • Kombinierbar: Cut und Loop Pile in einem Teppich erzeugen spannende Texturunterschiede, etwa für Konturen oder Akzente.

Gut zu wissen

Für Loop Pile brauchst du eine Loop-Pile-Pistole oder ein Kombi-Modell, das beide Techniken beherrscht. Und: Haustierkrallen bleiben gern in den Schlingen hängen.

Fazit: Cut Pile oder Loop Pile?

Für Einsteiger und alle, die ein weiches Motiv mit feinen Details tuften wollen, ist Cut Pile die richtige Wahl. Loop Pile ist etwas für Fortgeschrittene, die gezielt mit Struktur arbeiten möchten.

Cut Pile, wenn …

  • du zum ersten Mal tuftest
  • dein Motiv feine Linien, Gesichter oder Schrift hat
  • dein Teppich weich und flauschig werden soll

Loop Pile, wenn …

  • du schon Erfahrung mit der Tufting-Pistole hast
  • dein Motiv aus großen, klaren Formen besteht
  • du eine strukturierte Oberfläche möchtest

Noch feiner werden Details mit dem richtigen Garn – mehr dazu in unserem Ratgeber Acryl oder Schurwolle. Welche Motive im Workshop gut funktionieren, zeigt unsere Motivauswahl.