Finishing-Wissen aus unserem Studio

Tufting-Finishing – vom Rohzustand bis zum Carving

Direkt nach dem Tuften sieht jeder Teppich etwas zerzaust aus. Erst das Finishing macht aus dem Rohling ein sauberes Motiv. Wir zeigen an unserer Avocado drei Stufen – und warum wir im Workshop bewusst nach Stufe 2 aufhören.

Drei Stufen im Überblick

Alle drei Fotos zeigen dieselbe Avocado: direkt nach dem Tuften, mit sortierten Fäden und mitten im Carving.

  1. Getuftete Avocado direkt nach dem Tuften, noch auf dem Tuftingstoff: Die Konturen von Augen, Mund und Wangen wirken ausgefranst.
    Stufe 1: Rohzustand
  2. Dieselbe Avocado nach dem Sortieren der Fäden: Augen, Mund und Wangen sind klar voneinander abgegrenzt.
    Stufe 2: Fäden sortiert im Workshop
  3. Dieselbe Avocado mitten im Carving: runde, scharf abgegrenzte Augen und Wangen, daneben liegt eine Schermaschine.
    Stufe 3: Carving nicht im Workshop

Am deutlichsten siehst du es an den Augen

Nahaufnahme Rohzustand: Die schwarzen Augen sind ausgefranst, grüne Fasern ragen in die dunklen Flächen.
Rohzustand
Nahaufnahme nach dem Sortieren: Die Augen sind runder, die weißen Lichtpunkte deutlich zu erkennen.
Fäden sortiert
Nahaufnahme nach dem Carving: kreisrunde Augen mit klaren Kanten, die Flächen heben sich plastisch voneinander ab.
Carving

Stufe 1: Der Rohzustand direkt nach dem Tuften

Beim Tuften landen immer einige Fäden in der falschen Farbfläche. Grüne Fasern ragen ins Schwarz der Augen, Schwarz zieht sich ins Grün. Die Konturen wirken dadurch ausgefranst, und kleine Details wie die weißen Lichtpunkte gehen fast unter.

Das ist ganz normal – genau dafür gibt es das Finishing.

Stufe 2: Fäden in die richtige Fläche sortieren

Mit einer Häkelnadel werden die Garnfäden einzeln in ihre Farbfläche zurückgeschoben: Grün zu Grün, Schwarz zu Schwarz. Dabei wird nichts abgeschnitten – die Fäden werden nur neu geordnet.

Das Ergebnis: Augen, Mund und Wangen sind klar voneinander getrennt, und die Lichtpunkte in den Augen werden sichtbar. Diesen Schritt machen wir im Workshop gemeinsam.

Stufe 3: Carving für den 3D-Effekt

Beim Carving werden die Kanten zwischen den Farbflächen mit einer Schermaschine schräg angeschnitten. Entlang der Konturen entstehen kleine Vertiefungen, und die einzelnen Flächen heben sich plastisch voneinander ab – der beliebte 3D-Effekt, den man von vielen Tufting-Teppichen auf Instagram kennt.

Carving ist nicht dasselbe wie Scheren: Beim Scheren wird der Flor gleichmäßig auf eine Höhe gebracht, beim Carving wird gezielt entlang der Konturen geschnitten.

60 Min.So lange hat allein das Carving unserer kleinen Avocado bis zum Stand auf dem Foto gedauert – und fertig ist sie noch nicht.

Warum wir im Workshop bei Stufe 2 aufhören

  • Zeit: Schon die kleine Avocado hat rund eine Stunde Carving gebraucht. Bei einem Teppich in Workshop-Größe (ca. 50 × 50 cm) wäre es ein Vielfaches – Zeit, die beim Tuften fehlt.
  • Risiko: Jeder Schnitt ist endgültig. Setzt du die Schermaschine zu tief oder an der falschen Stelle an, ist der Teppich dauerhaft beschädigt.

Mit Stufe 2 nimmst du aus unserem Workshop einen sauberen Teppich mit klaren Konturen mit nach Hause – ohne Risiko.

Fazit: Welche Stufe brauchst du?

Fäden sortieren ist der Schritt mit dem größten Effekt für den geringsten Aufwand. Carving ist die Kür – beeindruckend, aber zeitaufwendig und nur etwas für Geübte.

Die drei Finishing-Stufen im Überblick
Stufe Was passiert Im Workshop
1 · Rohzustand Fäden ragen in fremde Farbflächen. Ausgangspunkt.
2 · Fäden sortieren Häkelnadel ordnet jeden Faden seiner Fläche zu. Ja.
3 · Carving Schermaschine schneidet die Kanten schräg an. Nein – zu zeitaufwendig und riskant.

Welche Rolle das Garn beim Finishing spielt, erklären wir im Ratgeber Acryl oder Schurwolle.